Der größte Verkaufsschlager ist zur Zeit (also 1958) eine Triumph-Familien- Schreibmaschine, die Grundig nach seiner Enkelin „Gabriele" taufte. (Sie wird mit farbigem Anstrich (aber ohne Behälter) zum Preis von 298 Mark geliefert) Verkaufs-Slogan: „Wer seine Briefe mit der Maschine schreibt, gilt mehr!"
Die geheimsten Büromaschinenpläne Grundigs hat kürzlich das Vorstandsmitglied der Dresdner Bank, Max Bardroff, mit ins Grab genommen. Ihm hatte Grundig anvertraut, mit welchem Großunternehmen er sich demnächst arrangieren will.
Säulen:
Triumph Adler und die Unbekannte X — seinen Großmachttraum zu verwirklichen: die Errichtung eines Elektro-Büromaschinenkonzerns, der mit rationellsten betriebswirtschaftlichen Mitteln ein breites Sortiment gängiger technischer Erfolgsartikel herstellt, vom Geigerzähler für Uran-Sonntagsjäger (den Grundig be reits liefert) über die traditionellen Grundig-Produkte (Radio- und Fernsehempfänger, Tonband- und Diktiergeräte, Musikschränke) bis zu elektrischen Schreibmaschinen und Büro-Robotern.
Je komplizierter die Büro-Technik wird, um so mehr Kapital muß für Neuentwicklungen zur Verfügung stehen. In Deutschland hat die AEG mit ihrer Tochterfirma Olympia Werke AG in Wilhelmshaven (Umsatz 1957: fast 150 Millionen Mark) die stärkste Position. Grundig dementierte nicht das Gerücht, daß bereits Kontaktgespräche zwischen ihm und leitenden Mitgliedern der Olympia AG geführt worden sind. Grundig: „Wir haben mit mehreren Firmen Kontakt aufgenommen."
Mit der AEG steht sich der neue Konzernherr besonders gut, seit er in den Kriegsjahren als handwerklicher Kleinproduzent und Zulieferant für den größten deutschen Elektrokonzern tätig war. Heute bezieht Grundig einen gewissen Teil der Rundfunk- und Fernsehröhren für seine Großproduktion (Jahresverbrauch rund fünf Millionen Röhren) von der AEG-Tochter Telefunken. Röhren gehören zu denjenigen Zubehörteilen, die Grundig nicht selbst herstellt.
Ein Arrangement Grundig-Olympia würde beiden Firmen Vorteile bringen: Grundig braucht — wie er selbst sagt — eine Firma, die hochentwickelte Rechenaggregate mitbringt; sie sind das Kernelement für zahlreiche moderne Büromaschmentypen. Olympia hat in dieser Beziehung bereits vorgesorgt: Die AEG-Tochter übernahm 85 Prozent des Aktienkapitals der Rechenmaschinenfabrik Brunsviga Maschinenwerke AG, Braunschweig.
Grundig wiederum kann mit dem bisher am meisten gefragten Diktiergerät, der „Stenorette", aufwarten; außerdem produzieren Triumph und Adler bereits marktgängige elektrische Schreibmaschinen, Die Tauschhändler drängten Grundig, nicht nur Hilfsmittel für den Radiohandel, sondern komplette neue Rundfunkgeräte zu bauen, um Ersatz für die vielen von der Besatzungsmacht beschlagnahmten GeGeräte zu beschaffen.
Rundfunkapparate waren stärker gefragt denn je. Die alte Rundfunkindustrie war völlig ausgeschaltet; ihre Betriebe lagen zu 80 Prozent in Berlin oder in Mitteldeutschland und waren dort demontiert oder enteignet worden. In dem größten konzernfreien westdeutschen Rundfunkwerk Saba in Villingen hatten sich französische Besatzungssoldaten eingenistet.